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  • Interessengemeinschaft Grossgörschen- & Katzlerstraße
  • Wohnstrukturen im Kiez erhalten statt vermarkten
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MieterGrossgoerschenKatzler_2Nov2014_FotoCCBYSA40

Tempelhof-Schöneberg übt Vorkaufsrecht für Großgörschen-/Katzlerstraße aus.

MieterGrossgoerschenKatzler_2Nov2014_FotoCCBYSA40

Der Bezirk übt sein Vorkaufsrecht für unsere Häuser aus. Tempelhof-Schöneberg ist damit der erste Bezirk Berlins, der im Rahmen der Erhaltungssatzung dieses Recht nutzt. Eigentümer soll die landeseigene Wohnungsgesellschaft Gewobag werden. Damit können wir Mieter nach fast eineinhalb Jahren bürgerschaftlichem Engagement vor Verdrängung geschützt werden.

Noch steht die Bundesrepublik, vertreten durch die BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben), als Eigentümerin im Grundbuch. Die BImA hatte die Häuser nach einem umstrittenen Höchstbieterverfahren im Januar für 7,8 Millionen verkauft. Der Käufer, eine Briefkastenfirma namens Formica GbR, konnte nicht ins Grundbuch eingetragen werden. Und das kam so:

Erhaltungssatzung kann Mieter schützen.

Für die Großgörschen-/Ecke Katzlerstraße gilt seit September 2014 eine Erhaltungssatzung. Ihre Ankündigung stand im August 2013 auch schon im Verkaufskatalog der BImA. Die Satzung soll die Wohnbevölkerung vor Verdrängung schützen. Dieses Ziel kann auch erreicht werden, indem die Kommune ihr Vorkaufsrecht ausübt. Ein Käufer kann das abwenden, indem er eine Abwendungsvereinbarung unterschreibt, in der er zusichert z.B. keine Luxussanierung zu machen. Unser Käufer hat ehrlicherweise nicht unterschrieben. Schon bei seinen Besichtigungen ließ er durchblicken, dass er sich Häuser ohne Mieter wünscht. In einer Wohnung sagte er zu seinem Partner: “Das ist hier Klickparkett, das kann man dann ja raus nehmen.”

Poker um den Preis

Da sich der Käufer nicht an die Erhaltungssatzung halten wollte, kann der Bezirk jetzt sein Vorkaufsrecht ausüben und dabei sogar ein eigenes Preis-Gutachten einbringen. Dieses lautet auf 6,32 Millionen. Im geheimen BImA Gutachten stehen 7,1 Millionen. Der Käufer bot im Bieterverfahren 9,8 Millionen, danach  ging er auf  7,8 Millionen runter. Letzteres entspricht der 35-fachen Jahresmiete. Landeseigene Wohnungsgesellschaften oder Genossenschaften zahlten in der Vergangenheit selten mehr als die 12-20-fache Jahresmiete für Mietshäuser.

Und warum hat die BImA die Großgörschen-/Katzlerstraße nicht gleich an die Gewobag verkauft?

Die Gewobag hatte im Oktober 2013 auf der Münchener Immobilienmesse Expo Real zum ersten Mal ihre Kaufabsicht bekundet. Wir Mieter hatten im Dezember 2013 vom geplanten Verkauf gehört, uns als igGroKa (Interessengemeinschaft Großgörschen-/Katzlerstraße) organisiert, und an die BImA und viele Politiker geschrieben. Die Tempelhof-Schöneberger Baustadträtin Sibyll Klotz sprach im März 2013 bei der BImA vor, um den Verkauf an die Gewobag zu fördern. Doch die landeseigene Wohnungsgesellschaft scheiterte genau wie die Mieter am Preis. Die BImA wollte mindestens die 32-fache Jahresmiete, also 7,1 Millionen.

Wird was lange dauert endlich gut?

Noch ist Daumen drücken angesagt. Außerdem gibt es noch mehr Wohnungen zu retten. Der Senat verhandelt seit 2014 mit der BImA um den Ankauf von 4.600 Bundeswohnungen. Wir wünschen den Mietern viel Erfolg.

Vielen Dank und eine Bitte

Wir danken allen unseren Unterstützern. Auch dem Käufer danken wir dafür, dass er am Ende eingesehen hat, dass es mit uns nichts wird.

Eine Bitte haben wir noch an die Mitarbeiter der BImA: Sie hatten schon genug Arbeit mit dem Verkaufsverfahren. Zu einem fairen sportlichen Wettkampf gehört es auch, dass man den Ausgang akzeptiert. Freuen Sie sich jetzt einfach mit uns Mietern. Sie und wir sind Menschen, die mit ihren Familien und Freunden in Frieden leben wollen. Dieses Glück wünschen wir Ihnen und uns von ganzem Herzen.